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Gewaltprävention

Sicherheit ist erlernbar!

Brilon. WingTsun? Noch nie gehört. Oder doch? „Eine Kampfkunst wie Karate“, meint ein Kollege. „Aber nein“, wirft ein anderer ein. „Da wird nicht gekämpft.“ Ach so…
Aber was ist es denn nun? Polizeihauptkommissar Oliver Milhoff (40) bot an zwe

Am Telefon will er noch nicht zu viel verraten. „Schauen Sie sich das Ganze einmal an. Dann werden Sie schnell verstehen.“ Gesagt, getan.
Zahlreiche Kinder, von Vater oder Mutter begleitet, tummeln sich bereits im Raum der WT-Schule Brilon. Laut geht’s zu. Oliver Milhoff, nicht in Uniform, sondern in lockerer Trainingskleidung, erhebt kurz die Stimme. Und es herrscht Ruhe.

„Gewaltprävention“ nennt es der 40-Jährige, was er den Kindern im Alter von 5 bis 12 Jahren in diesen kostenlosen WingTsun-Schnupperstunden vermitteln möchte. „Im Kindergarten- und Schulalter ergreifen Eltern Maßnahmen wie Schwimm- oder Verkehrsunterricht, um ihren Nachwuchs vor möglichen Gefahren zu schützen. Aber eines wird dabei viel zu oft vergessen: Was ist mit der Bedrohung durch andere Menschen?“
Laut Milhoff gilt es, die erste Auseinandersetzung möglichst positiv zu gestalten. „Dann steigt auch die Chance, dass das Kind mit einem gesteigerten Selbstbewusstsein weiter durch das Leben geht. Andernfalls wird es vielleicht ängstlich in die Opferrolle abgleiten.“ Und hier setzt nun die alte chinesische Kampfkunst WingTsun an, deren Schwerpunkt die konsequente waffenlose Selbstverteidigung ist.

Oliver Milhoff, der bereits seit fünf Jahren Seniorenkurse in Korbach gibt und seit Februar auch in Brilon, stellt die inzwischen mehr als 20 Kinder in Zweiergruppen zusammen. Abwehrtechniken mit dem Ellbogen stehen auf dem Programm. Immer wieder werden die Übungen wiederholt. Bis sie bei jedem Kind sitzen.

Nun geht es um angemessenes Verhalten in Streitsituationen – etwa auf dem Schulhof. Ziel ist es, wann immer möglich, dem Konflikt schon im Vorfeld aus dem Wege zu gehen. Oliver Milhoff übt dies im Rollenspiel mit den Kindern. Er provoziert und ärgert die an ihm vorübergehenden Kinder. Diese wiederum sollen seine Aktionen ignorieren und ihren Weg unbeirrt fortsetzen. Der 40-Jährige fährt eine neue Taktik und verfolgt sein „Opfer“. Nun heißt es, sich mit Stimme, Gestik und Mimik durchzusetzen. Die Kinder bleiben stehen, schauen ihn fest an, strecken die Arme in Abwehrhaltung nach vorn und rufen möglichst laut: „Stopp, bleib stehen.“ Hält sich der Mitschüler nicht daran, werden die Hände erneut nach vorn gestreckt. Dabei zeigt ein Finger deutlich auf den Kopf des Provokateurs. Und noch einmal ertönt es von den Kindern laut und deutlich: „Ich habe gesagt, Du sollst stehen bleiben.“ Grenzen ziehen lernen und selbstbewusstes Auftreten sind hier das A & O.

Dann bittet Oliver Milhoff die Kinder auf den Parkplatz. Hier geht es um das richtige Verhalten bei Ansprache durch fremde Erwachsene aus dem Auto heraus. Wichtig ist es, so der Polizeihauptkommissar, einen bestimmten Abstand zum Wagen zu halten. „Auf keinen Fall dürft ihr reagieren. Ganz gleich, was der Mann auch sagt. Nicht reden. Geht einfach weiter“, lautet seine Anweisung. Und dann wird die Situation durchgespielt. Milhoff lockt die Kinder aus dem Auto mit Süßigkeiten und Handys, bittet, sie, etwas vor der Wagentür aufzuheben, und versucht sie mit den Worten: „Deine Mutter liegt im Krankenhaus. Ich soll Dich zu ihr bringen“, zu verunsichern. Die Kids lassen sich nicht beirren, gehen weiter. Bravo!

Nun wird’s noch eine Spur gefährlicher. Der Mann steigt aus, verfolgt das Kind. Milhoff rät in diesem Fall weg zu rennen und laut um Hilfe/Feuer zu rufen. „Bitte helfen Sie mir. Der Mann verfolgt mich. Ich habe Angst.“ Und auch diese Situation wird immer wieder geübt.
Kräftige Ohrfeigen üben die Kinder an einem Schlagpolster. Mit voller Kraft wird ausgeholt und dann macht es schon „klatsch“. Auch hier lernen die Kinder, ihr Selbstbewusstsein deutlich zu steigern.

Zum Abschluss noch ein Tipp des Polizeihauptkommissars für Kinder, die allein zu Hause sind und ans Telefon gehen. „Fragt jemand nach Euren Eltern, sagt immer, dass sie im Augenblick nicht ans Telefon kommen können. Bittet den Anrufer um seine Nummer und sagt, dass die Eltern gleich zurückrufen. Das reicht an Auskünften völlig.“

Die Stunde ist im Nu vorbei. Und sie scheint nicht nur viel Spaß gemacht, sondern auch Eindruck hinterlassen zu haben. Ein Mädchen kommt zu Oliver Milhoff. Sie hat den Satz vergessen, den sie sagen soll, wenn ein Erwachsener sie verfolgt. Kein Problem. Das wird noch einmal wiederholt.
Natürlich können Kinder und Erwachsene die WingTsun-Techniken weiter vertiefen. Milhoff, der in der Polizeiwache Brilon arbeitet, bietet zweimal in der Woche Kurse für Kinder und Erwachsene in der WT-Schule am Briloner Markt an. Nebenamtlich engagiert er sich als Dozent an den Volkshochschulen Brilon und Waldeck-Frankenberg.
Unterstützt wurde er bei dieser Aktion durch seinen Sohn Yanik Milhoff (5. SG) sowie durch den Bezirksbeamten POK Grießhaber.

Text: Bernd Sangermann
Fotos: