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ChiKung

Demenz in Bewegung – ChiKung für ältere Menschen

Präsentation 2011 für das Bayrische Rote Kreuz

Wir trafen Heidi Niggl von der Fachstelle für pflegende Angehörige das erste Mal beim Bayrischen Roten Kreuz, als wir Hilfe für unsere Mutter brauchten.

Die von Heidi Niggl organisierten monatlichen Treffen beim BRK für Angehörige von Demenzerkrankten, waren sehr lehr- und hilfreich für uns. Sehr schnell erkannten wir, dass nicht nur sie uns helfen kann, sondern auch wir unseren Beitrag leisten könnten.
Wir erfuhren von der erschütternden Statistik, dass eine Person in jeder dritten Familie an Demenz erkrankt ist und wie sich der fürchterliche Effekt und Stress nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf die Angehörigen auswirkt. Weil die Menschen heutzutage länger leben, wird diese Erkrankung immer häufiger vorkommen und der Schock über das schnelle Fortschreiten der Degeneration gaben uns viel zu bedenken.

Wir, das Team vom Tegernseer Tal, in Zusammenarbeit mit Sifu Robert Bauer vom WingTsun-Zentrum München wollten einen Weg finden, wie wir den Erkrankten helfen und die Angehörigen entlasten könnten.

Bei einem Gesprächstermin mit Heidi Niggl sprachen wir darüber, dass es hunderte von dokumentierten Fällen gibt, wo Bewegungstherapien sehr erfolgreich eingesetzt werden und erzählten auch von unseren persönlichen Erfahrungen (siehe Artikel: Der Schwan kehrt zurück vom 30.05.2010). Da sie selbst überzeugt vom positiven Einfluss von Bewegung ist, bat sie uns um eine künftige Zusammenarbeit.

Wir vereinbarten einen Termin für eine Veranstaltung unter dem Motto „Demenz in Bewegung“ am 20.10.2011 in Gmund am Tegernsee, um mit einer öffentlichen Präsentation zum Aufbau eines Netzwerkes von Bewegungsangeboten für Senioren Sponsoren für Gemeindeprojekte zu gewinnen.

Wir waren positiv überrascht, wie viele bedeutende, prominente Persönlichkeiten als Gäste kamen: der zweite Bürgermeister von Gmund Georg Rabl, Christine Dietl von der Koordinationsstelle für Senioren im Landkreis, der Sportreferent des Landkreises Anton Engelhard, die Behindertenbeauftragten des Landkreises Anton Grafwallner und von der Stadt Miesbach Herr Kammbach, Sepp Hartl als Bürgermeister Waakirchens und der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (Kreisverband Miesbach) Alfred Mittermaier.

Nach herzlichen Begrüßungsreden durch den Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes A. Mittermaier, Heidi Niggl und einer lustigen Vorstellung des Sportreferenten des Landkreises stellte Sifu Robert Bauer in einer gut ausgearbeiteten Präsentation den degenerativen Prozess bei älteren Menschen vor und erläuterte womit ChiKung unterstützend helfen kann.
Anhand der fünf großen „I“ führte Sifu Bauer klar und verständlich durch seine Präsentation:

1.  Intelligenzabbau (vor allem die verschiedenen Demenzen)
2.  Immobilität
3.  Instabilität
4.  Innere Ausgeglichenheit
5.  Einschränkungen (Impairment of …) der Wahrnehmungsorgane

Er erklärte die fünf Begriffe und stellte zu jedem Punkt entsprechende Möglichkeiten vor. Die einzelnen Bewegungen veranschaulichten wir parallel mit einer praktischen Vorführung unter der Leitung von ChiKung-Trainerin Sije Heike Lauer.
Hier zum Verständnis eine kurze Zusammenfassung:

1. Intelligenzabbau
Es fällt immer etwas schwerer, sich Daten, Einkaufslisten etc. zu merken. Selbst Erinnerungen an Erlebtes verblassen.

Eine Methode, die im Bereich Lernhilfe bei Kindern und Jugendlichen und auch bei Unfallopfern sehr oft angewandt wird, nennt sich Hemisphärenausgleich: Durch Überkreuzbewegungen werden neue Wege im Gehirn geschaltet. Die rechte Gehirnhälfte wird mit der Linken besser verbunden und das Lernen fällt einfach wieder leichter. Solche Bewegungen sind im WingTsun und mithin auch in unserem EWTO-ChiKung enthalten.

2. Immobilität
wird definiert als stark eingeschränkte oder aufgehobene Beweglichkeit. Dies wird aber nicht allein nur durch die physischen Aspekte wie verminderte Reaktionsfähigkeit, verringerte Ausdauer bzw. Kraft bestimmt.
Hier spielen zusätzlich gerade im Anfangsstadium Unsicherheit, Angst und andere psychische Faktoren eine große Rolle. Dadurch schränkt der ältere Mensch sich selbst in seinem Bewegungsraum immer weiter ein.

Durch ein spezielles Trainingsprogramm können Ausdauer, Kraft und Koordination wieder gesteigert werden. Dadurch fallen Alltagsanforderungen – wie Treppen zu steigen, Einkaufstüten zu tragen oder einfach sich in seinem Umfeld zu bewegen –wieder leichter. Die Selbstsicherheit, das Gefühl für den eigenen Körper und vor allem ein Stück Lebensqualität kehren zurück.

3. Instabilität
Die Muskulatur bringt nicht dieselbe Kraft wie vor einigen Jahren, als sie den Körper noch perfekt geschützt und im Gleichgewicht hielt. Knochen und Gelenke weisen nicht mehr die gleiche Stabilität auf wie früher.

Der gesamte Körper wird durch die ChiKung-Bewegungen gleichmäßig trainiert, Sehnen und Bänder werden gekräftigt, Muskulatur wird gedehnt und gleichzeitig gestärkt, Knochen und Gelenke werden bis in die kleinsten Kapillargefäße mit Nährstoffen versorgt und Schlacken können abtransportiert werden.

4. Innere Ausgeglichenheit
Gespräche und Bemerkungen, die früher kaum berührten, versetzen jetzt in Verärgerung. Das Nervenkostüm wird immer dünner.

EWTO-ChiKung setzt nicht nur auf körperliches Gleichgewicht. Durch die Bewegungen und die speziellen Atemübungen wird auch auf der psychischen Ebene ein Gleichgewicht hergestellt. Vieles kann gelassener genommen werden und mehr Freude bereichert das Leben.

5. Impairment – Einschränkungen der Wahrnehmung
Die Wahrnehmung sinkt. Man hört nicht mehr so gut. Das Gesichtsfeld wird kleiner, selbst die Nervenzellen sind nicht mehr so empfindlich im Alter.

Durch Übungen im sensomotorischen Bereich werden im EWTO-ChiKung nicht nur Koordination, sondern auch Fühlen, darauf reagieren und lockeres Nachgeben trainiert. Die Wahrnehmung für den eigenen Körper wird geschärft. Es entsteht ein völlig neues Körpergefühl.

Nach dieser Präsentation berichtete Alun Graham noch über Erfahrungen mit Demenz im direkten persönlichen Umfeld – belegt mit Bildern aus schlechten und wieder besseren Zeiten als Folge eines angepassten WingTsun-Trainings. Dieses hautnah erlebte Schicksal gab den Anstoß dafür, sich in diesem Bereich zu engagieren.
Danach beantwortete unser Team viele Fragen aus dem Publikum. Die Rückmeldungen anschließend waren sehr positiv, so dass die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg wurde. Wir gewannen mehrere einflussreiche Ansprechpartner für eine künftige Zusammenarbeit bei bevorstehenden Projekten.
Bei den Gesprächen kristallisierte sich außerdem noch ein großes Aufgabengebiet für WingTsun heraus: die Selbstverteidigungsschulungen für das Personal von Hilfsdiensten, denn sie müssen leider immer wieder auch mit tätlichen Übergriffen derer rechnen, denen sie eigentlich nur helfen wollen.

Mit dem EWTO-ChiKung und WingTsun haben wir ein mächtiges Werkzeug, um Menschen in unserer Gemeinde zu helfen.
Wir hoffen, dass auch andere ChiKung einsetzen, um nicht nur sich selbst Gutes zu tun, sondern auch Menschen in ihrer Gesellschaft; denn wir und die meisten anderen werden auch irgendwann alt werden.

Text: Alun Graham, Johanna Grimm, Sifu Robert Bauer
Fotos: Johanna Grimm