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ChiKung

Aufmerksamkeit – auch sich selbst gegenüber!

Genauso wenig, wie es sich empfiehlt, völlig unaufmerksam in der Dunkelheit durch eine unsichere Gegend zu gehen, ist es sinnvoll, in unserem Alltag eigene Bedürfnisse stets hintanzustellen, um „zu funktionieren“, um nur ja alle Erwartungen (fremde oder eigene) zu erfüllen. Vielleicht geht beides eine ganze Weile gut – aber wir liefern uns damit fremder Einwirkung völlig aus.

Wenn wir dagegen aufmerksam für die Reaktionen unseres Körpers und unserer Psyche sind, können wir mit den Prinzipien des WingTsun belastende Situation jeder Art besser in unserem Sinne umgestalten…

Unser Körper und unsere Psyche können nur begrenzt „einstecken“, also negative Einwirkungen aushalten. Ebenso wie in der körperlichen Selbstverteidigung hilft bewusstes Wahrnehmen auch in der Behauptung unseres Selbst im Alltag selbstbestimmt und damit letztlich zufriedener zu werden. Hier wie dort heißt es Grenzen zu setzen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Dabei lassen sich die Kraftsätze des Wing Tsun anwenden, die man für den Alltag wie folgt übersetzen könnte: Mache dich frei von der fremden Einwirkung (entspricht der Kraft des Gegners) und von den Zwängen, die Du dir selbst auferlegst (entspricht Deiner eigenen Kraft)!

Bewusst werden

Das ist allerdings leichter gesagt als getan: Aus der Tretmühle auszubrechen, erfordert erst einmal zu stoppen, innezuhalten. Dann heißt es in sich hinein fühlen: Wie geht es mir mit/in einer speziellen Situation? Das reicht vom Essen und Trinken (Tut mir der Kaffee wirklich gut oder sorgt er nur für ein kurzes Hoch, rächt sich aber mit Schlafstörungen?) über Sitzhaltungen (Wie kann der Körper so organisiert werden, dass er sich praktisch von selbst trägt, damit der Rücken am Ende eines langen Bürotages nicht schmerzt) zum Pausenverhalten (Wie kann ich wirklich regenerieren?).

Zum Bewusstwerden hilft es, zunächst Körperzustände wahrzunehmen – wie wir dies auch im WingTsun- oder ChiKung-Unterricht tun: Ist der Nacken angespannt, sind die Schultern hochgezogen o.Ä.?Das Gleiche gilt für unsere psychischen Zustände. Wenn wir unsere eigene Reaktion auf äußere Umstände kritisch beobachten, können wir vielleicht feststellen, dass wir manchmal überreagieren, also z.B. die Fehlfunktion des Computers oder die Nachfrage eines Kollegen einen unangemessenen Gefühlsausbruch in uns hervorrufen.

Die Lücke suchen

Was können wir aber tun, wenn wir uns der negativen Einwirkung und unserer eigenen Reaktion darauf bewusst geworden sind? Genauso wenig, wie wir gegen den körperlichen Angriff eines Gegners angehen, ist es hilfreich, gegen die belastende Situation selbst anzugehen zu wollen. Vielversprechender ist in jedem Fall, die „Lücke“ zu suchen – im übertragenen Sinne also Handlungsspielräume, in denen wir unsere Bedürfnisse besser ausleben können. Die Vorgehensweise des WingTsun, die Kraft des Gegners zu nutzen und unsere eigene hinzuzufügen, können wir auch im Alltagsleben verwenden, um unser Leben aktiv in die Hand zu nehmen und in unserem Sinne umzugestalten.

So lassen sich äußere Einwirkung zum Anlass nehmen, öfter einmal innezuhalten und das Tempo anzupassen. Aus unserer eigenen Kraft können wir positive Erlebnisse hinzufügen, indem wir kleine Freuden im Alltag installieren, die dem Körper wohl tun:

Uns z.B. morgens zumindest 5 Minuten Zeit für uns nehmen, um Form zu laufen oder eine kurze Atmungs-/Entspannungsübung zu machen, bevor der arbeitsreiche Tag beginnt,
mittags einen Spaziergang an der frischen Luft machen,
abends ein entspannendes Bad nehmen, durch aktives Loslassen zur Ruhe kommen oder oder oder …

Sifu Kernspecht (Pyjama-Editorials, S. 229) bringt es wie folgt auf den Punkt: „WingTsun ist die Kunst, Probleme zu lösen.“ Beginnen wir also, diese Kunst für uns selbst jeden Tag ein Stück mehr umzusetzen!

Text: Petra Weipert
Fotos: Jérome Gravenstein/