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Sicherheit

Was tun, wenn du ausgeraubt wirst?

Der Straßenraub gehört zu den ältesten Verbrechen der Menschheit. Trotz dieser Gewissheit gehört er zum Alltag; wenn auch in überschaubaren Ausmaße. Während sich die Techniken unter Kriminellen weiterentwickeln, hat sich das Wissen über mögliche Präventiv- und Abwehrmaßnahmen nicht sonderlich verbreitet. Um derartigen Situationen vorzubeugen, sollen hier ein paar Tipps genannt werden, die jeder problemlos beachten kann.

Eine bedenkliche Entwicklung?

So etwas passiert insbesondere älteren Menschen, Reisenden, Betrunkenen, Angestellten, die die Tageseinnahmen zur Bank bringen, unter Jugendlichen oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Täter werden der Polizei zufolge immer jünger und es ist eine erkennbare Zunahme von Brutalität bzw. dem Einsatz von Waffen (neuerdings in Berlin auch eine Häufung von Schlagwaffen) zu verzeichnen. Die Gewalt gipfelte zuletzt vor etwa einem Jahr in Berlin-Neukölln, als nachts eine ältere Frau ihrer Handtasche beraubt (der Schaden betrug 50 Euro) wurde. Als eine Zivilstreife die beiden Räuber stellte, erschoss einer von ihnen einen der Polizisten kaltblütig aus nächster Nähe mit acht Schüssen. Das ist die Spitze des Eisberges. In Berlin beklagt die Polizei trotz steigender Straßenkriminalität eine Zunahme von Haftverschonungen bzw. eine noch nachlässigere Rechtsprechung gegen jugendliche Gewalttäter als in der Vergangenheit.

Wie Berlin sind auch andere Großstädte von Straßenraubdelikten betroffen. Die regionalen Straftaten verzeichnen keine so hohe Anzahl an Delikten. Meistens handelt es sich um männliche Täter unter 21 Jahre, die von vornherein die Gewaltanwendung mit einplanen. „Bezogen auf den Einzelfall sind die Schadenssummen als gering einzuschätzen. Vor allem bei jugendlichen Straßenräubern steht oftmals nicht die Bereicherungsabsicht im Vordergrund; maßgebliche Motive sind vielmehr Dominanzverhalten, Langeweile oder Nachahmung“, so eine Polizeiinformation.

Wertsachen-Check

Immer wieder bekomme ich mit, dass die Leute ihr Portemonnaie mit allen wichtigen Dokumenten und Karten füllen. Der Verlust kann somit zu einer zeitaufwendigen, teuren Angelegenheit werden, Karten zu sperren, Ausweise zu beantragen, Adressen neu zu recherchieren. Wer voraus denkt, trennt seine Wertsachen: Das Geld in die Börse und die EC-Karten sowie die notwendigsten Papiere anderswo am Körper; vielleicht versteckte Stellen benutzen. Außerdem muss man nicht ständig alles dabei haben, wie z.B. den Büchereiausweis oder die Krankenversichertenkarte. Understatement ist sicherer. Die Wertsachen sollte man außerdem nicht jederzeit und überall zur Schau stellen. So warnt beispielsweise eine Universität in New York ihre Studenten davor, den i-pod-Kopfhörer zu tragen. Damit gebe der Musikliebhaber zu erkennen, dass er ein teures Gerät mit sich führe. Mehr hierzu ist im Beitrag: „Wie schütze ich mich vor Diebstahl?“ zu lesen.

Was will die Gegenseite?

Zum einen gilt: Täter suchen Opfer und nicht selbstbewusste Menschen, von denen viel Gegenwehr zu erwarten ist. Sind es mehrere organisierte Täter, so sinkt die Hemmschwelle natürlich entsprechend. Zum anderen gilt: sie suchen sich den Ort und Zeitpunkt des Überfalls bestenfalls genau aus. Geeignet sind dunkle, abgelegene Orte, verlassene Straßen, aber auch bei großen Menschenansammlungen wie z.B. die Love Parade oder das Münchener Oktoberfest. Die Täter können hier willkürlich zuschlagen und mühelos in der Masse untertauchen. Die ganze Aktion geht dann sehr schnell.

Für die Durchschnittstäter sind folgende Wertsachen interessant: Bargeld, Kredit-/EC-Karte, Uhr, Schmuck, Handy, Monatskarte, MP3-Player, Digitalkamera, Notebook, Markenkleidung und manchmal auch der Führerschein sowie der Personalausweis. Es gibt Fälle, in denen der Täter mit dem Opfer zum Geldautomaten geht, um dort den Höchstbetrag abzuheben. Durchaus selten will der Täter mit nach Hause, um sich dort nach Wertsachen umzusehen. Weniger selten ist, dass gerade unter Jugendlichen auch geringwertige Sachen geraubt werden.

Gegenwehr oder nicht?

Nicht jede/r ist immer Held oder Heldin. Es gibt auch Situationen, in denen es ratsam ist, nicht von vornherein die eben gelernten WT-Techniken auszuprobieren. Das kann z.B. der Fall bei einem bewaffneten Überfall sein, wenn es sich abzeichnet, dass die Gegenseite nur an Wertsachen und nicht an Körperverletzung/Misshandlung interessiert ist.
Es gibt gute Gründe für und auch gegen eine sofortige Gegenwehr. Dafür spricht, dass Tätern sofort Grenzen gezeigt werden sollten. Wenn das mehr Menschen tun würden, so kann man spekulieren, müsste unsere Gesellschaft sicherer werden. Dagegen spricht, dass Überfälle relativ selten passieren (bis zu ein- oder zweimal im Leben?) und es sich nicht lohnt, für ein paar hundert Euro die Gesundheit (oder gar das Leben) zu riskieren und Gerichtsverfahren zu durchlaufen, die am Ende noch vielmehr Geld kosten können. Aus ethisch-moralischer Sicht wollen wir natürlich das alles vermeiden und auf friedliche Weise Konflikte lösen. Doch in einer Notwehrsituation für Leib und Leben müssen wir handeln.

Täterbeschreibung

Auf jeden Fall und wenn es der Adrenalinpegel zulässt, sollte man sich den/die Täter genau ansehen und zuerst (bei mehreren Tätern zumindest von einem oder zweien; am besten dem markantesten) alle relevanten Merkmale einprägen. Dazu gehören unveränderbare Kennzeichen wie Tätowierungen, Narben, Augenfarbe, die Proportionen im Gesicht (Augen – Nase – Mund und Ohren), Körpergröße, Stimme (Dialekt, Akzent und Tonlage; spricht er schnell oder langsam?) und die Kleidung (was fällt hier besonders auf?). Wenn der ganze Spuk vorbei ist, sollte schnellstmöglich die Polizei verständigt werden. Die eingeprägten Merkmale helfen ihr, den/die Täter zu finden. Falls der Täter ungeschickterweise das geraubte Handy nicht ausschaltet, kann er u.U. anhand der Rufnummer vom Mobilfunkbetreiber geortet werden. Die Aufklärungsquote bei Straßenraub liegt etwa bei 40 Prozent.

Weitere praktische Maßnahmen

Im Prinzip wird mit den BlitzDefence-Programme die praktische Hilfestellung für derartige Fälle vermittelt. Zentral sind hier die Kommunikation, das selbstbewusste Auftreten und die Aufmerksamkeit. Umstritten unter Experten ist die Frage nach sofortiger Gegenwehr. Meiner Meinung nach muss das jede/r selbst entscheiden; nach Kenntnis des eigenen Gefühls und der Einschätzung der Kampfbereitschaft sowie der Einschätzung des Gegners bzw. der Kontrahenten. Hinzu kommt die Kenntnis des Ortes, der Fluchtmöglichkeiten und anderer Faktoren wie z.B. Bewaffnung. Aber wie oben angeraten, sollte vorneweg stets die Abwägung des Kosten-/Nutzen-Prinzips stehen.

Hier noch zu einem zusätzlichen Tipp, der von offizieller Seite gegeben wird. Da gibt es beispielsweise die gute alte Signalpfeife und das Reizgasspray. Erstere hat nach neuesten Polizeierkenntnissen ausgedient. Denn wer aufgeregt ist, dem bleibt oftmals der Atem aus. Letzteres wirkt nicht immer bei allen Tätern, erweist sich als ungeeignet bei Gegenwind sowie in geschlossenen Räumen und ist wie die Pfeife nicht immer zur Hand. Denn wer hat denn bei einem Überfall die Ruhe, in seiner Tasche zu kramen? Bei Bewaffnung gilt allgemein: Wer eine Waffe mit sich führt, dem kann später vor Gericht von vornherein eine böswillige Absicht unterstellt werden, sie einzusetzen. Am besten ist es, weiterhin WT zu lernen und dadurch selbstsicherer aufzutreten. Das alleine macht einen für Täter schon unattraktiv.

Zum Thema Senioren und Kriminalität gibt es bereits Artikel in unserem Archiv.
Alle Angaben sind wie immer ohne Gewähr!

Oliver C. Pfannenstiel, 4. TG