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Täterprofile – Teil 3: Von Jugendgangs und ihren Merkmalen

Besonders unangenehm ist die Auseinandersetzung mit Gruppen. Der Beitrag soll einige Anmerkungen über Gruppen geben. Was nicht geleistet werden kann, ist eine pauschale Handlungsanweisung, die allgemeingültig darstellt, wie man sich gegenüber Gruppen stets erfolgreich durchsetzen kann.

Folgende Situation: abends auf der Straße sehe ich eine Silhouette ca. 50 Meter vor mir. Es könnte eine Jugendgang sein, die sich langweilt und vor einem Imbiss belanglose Späße macht.
Womit muss ich rechnen, wenn ich an ihr vorbeigehe? Mit wem oder was habe ich es zu tun?

Soziologisch gesehen vereint eine soziale Gruppe folgende Merkmale: Zusammengehörigkeitsgefühl, (mindestens) ein gemeinsames Ziel und (mindestens) ein gemeinsames äußeres Merkmal. Das alles führt zu einem Gruppenbewusstsein und einer Gruppendynamik.

Sozialarbeiter sprechen bei Jugendgangs von Peergroups: „Sie folgen dem jedem Menschen innewohnenden Impuls, von ihrer sozialen Gruppe anerkannt zu werden, da sie nur so überleben können. Um akzeptiert zu werden, müssen sie die Normen und Anforderungen ihrer Gruppe befolgen, und das tun sie, seien diese Anforderungen nun kriminell oder legal." (www.prisma-jugendhilfe.de)

Wie sehr Gruppen bereit sind, „Anforderungen zu befolgen", hängt m. E. von ihrem Organisierungsgrad ab. Eine „gut organisierte" Gruppe zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass alle Mitglieder im Falle einer Schlägerei sofort beteiligt sind. Schlägst du einen, triffst du alle; und die wollen zurückschlagen, wenn sie Blut lecken. Gleiches gilt für verbale Auseinandersetzungen.

Hier gibt es die feinen Unterschiede, wie aggressiv die Gruppe vorgeht: sind es die mitlaufenden Mitglieder, die auch nur kurz mal zuhauen möchten und jederzeit die Flucht antreten, die heißblütigen Festbeißer innerhalb der Gruppe oder die entschlossenen Schläger, die sehr weit gehen. Ein weiteres Merkmal der Gruppe kann u.U. hier das Gruppenziel sein, ob sie sich formiert hat, um andere vorsätzlich zu „bestrafen" oder ob eine Schlägerei „aus der Situation" entsteht.

Unorganisierte Gruppen brauchen eine längere Anlaufzeit und „Anheizer", um „schlagkräftig" zu werden. In Bierzelten ist es der steigende Alkoholkonsum im Kreise der Zecher, bei Straßenschlachten eine vorher aufgestaute kollektive Spannung, die entladen wird, etc.

Hier „darf" jeder mitmachen und die oft unübersichtliche Situation kann sich über längere Zeit hinziehen, sobald feste Gruppen mitmischen.

Gruppen besitzen gemeinsame Ziele. Mal geht es um organisierte Kriminalität (Drogen verkaufen, Frauenhandel, Diebstähle, kleine Überfälle, etc.), mal um politische Ziele (z.B. Rassismus) oder um ein gemeinsames Hobby (Fußball, schnelle Motorräder, Biertrinken).

Jede Gruppe besitzt gemeinsame Feindbilder. Diese äußere „Bedrohung" schmiedet die innere Verbundenheit zusammen. Bei Rechtsextremen sind es Linke, Migranten, Schwule, Lesben, Obdachlose, Polizei und Behinderte. Bei vielen Migrantengangs sind es Schwule, Lesben, Rechtsextreme, Polizei, Frauen, andere Migranten und andere Gangs.

Bei allen anderen Gangs (Rockern, Hooligans, etc.) sind es andere Hooligans bzw. Fußballfans, andere Rockerbanden, Konkurrenten, Schwule, Lesben und Migranten.

Auffällig ist der Schwulen- und Lesbenhass, der allen genannten Gangs gemeinsam ist. Schwulsein verkörpert für sie meistens das Bild eines Mannes, der „weich, wehrlos und passiv" ist; eben Eigenschaften besitzt, die Frauen gerne zugesprochen werden. Lesbisch sein ist das Bild von Frauen, die sich der männlichen Kontrolle und Macht widersetzen. Sich als Gang gegen etwas zu vereinen, das vermeintlich schwach ist, kann als kleinster gemeinsamer Nenner gesehen werden. Dadurch soll die eigene Hilflosigkeit und Angst vor Ohnmacht kaschiert werden. Mit realen Frauen oder der Schwulenbewegung hat das wenig zu tun. Bilder von unterwürfiger Weiblichkeit bzw. Homosexualität werden auch im Knast produziert und gelebt – eben nur unter „harten" und „weichen" Männern. Hier geht es nur um Macht („männlich") und um Ohnmacht („weiblich").

Viele Gangs sind Zusammenschlüsse von Jugendlichen, die einerseits ängstlich sind, andererseits in der Gruppe Anerkennung suchen und sich dafür gerne Gruppenzwängen unterordnen.

Es gibt Stimmen, die der Ansicht sind, gegenüber früheren Zeiten gibt es kaum noch so etwas wie einen Ehrenkodex und Spielregeln auf der Straße. Ich denke, man sollte sich nicht der Illusion hingeben, so etwas wie Fairness oder Regeln auf der Straße einzufordern. Eine Gang verhält sich nach ihrer eigenen Logik. Die ist manchmal schwer zu durchschauen.

Damit wären wir bei der Anfangssituation. Wie gehe ich nun mit einer Gruppe um, die plötzlich vor mir auftaucht? Mit welchen „Gruppenverhaltensweisen" muss ich mich auseinandersetzen?
Ich will an dieser Stelle keine allgemeingültigen Tipps geben. Einschätzungen, Situationen und Befindlichkeiten können zu unterschiedlich sein. Ich kann nur von mir reden, wie ich mich oft gegenüber Gangs bei mir in Berlin verhalte. Vielleicht kann daraus die eine oder andere Anregung entstehen.

Wir sprechen von einer Situation, in der ich irgendwie ein „ungutes Gefühl" habe. Mein Gefühl (bzw. Intuition) und meine Befindlichkeit sind für mich entscheidend. Dann kommt die Einschätzung der Situation und der Gruppe. Wenn das alles nicht stimmt, muss das BlitzDefence herhalten.

Auch, wenn ich einen schlechten Tag hatte, mein Hund gestorben ist und ich völlig ausgepowert bin, muss ich mich frühzeitig, sobald ich die Silhouette als Gang erkannt habe, zusammen reißen und ein unverbindliches Lächeln im aufrechten Gang aufsetzen. Bestenfalls wechsele ich nicht die Straßenseite und trete auch nicht den Rückzug an, nachdem ich „wahrgenommen" wurde.
Ganz im Gegenteil, ich gehe erst recht auf die Gruppe zu. Ich stelle mir eine harmlose Schulklasse vor, an der ich uninteressiert vorbeigehe. Aber ich versuche nicht so zu tun, als wenn nichts wäre – es ist doch nichts passiert.

Werde ich in ein „Gespräch" verwickelt, gehe ich kurz auf die Leute zu und mache eine frotzige (aber nicht beleidigende) Bemerkung und bleibe mit meinen Blicken nicht an ihren Augen hängen. Meine Arme sollten dabei „irgendwie" oben sein. Dann gehe ich in gleicher Geschwindigkeit wie vorher weiter.

Sobald ich innerlich unausgeglichen, unruhig oder aggressiv bin, nehme ich wahr, wie der Funken überspringt. Eine „Gruppenwahrnehmung" kann so etwas schnell erfassen, wenn sie nicht gerade durch andere Ereignisse abgelenkt ist. Dann folgt ein Spruch aus der Gruppe. Mit einem beschwichtigenden, jedoch nicht unterwürfigen Satz kann so etwas geklärt werden. Im Einzelfall kann auch das Alphamännchen herausgezaubert werden; ruhig, direkt und offensiv.

Aber Humor vereint und löst Blockaden. Lachen ist außerdem gesund. Deshalb ziehe ich das vor.

Nähere Infos zum Verhalten gegenüber Gruppen: 10. Schülergradprogramm BlitzDefence direkt bei deinem WT-Lehrer.

Text: Oliver C. Pfannenstiel, 3. TG