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Escrima

Der Mann, der hinter den Waffen steht

In diesem Bericht möchte ich euch einen wahren Meister seines Faches vorstellen – den Waffenmeister und Schmied Hubert. Ich werde von seiner Arbeit berichten, die weit mehr umfasst als Hammer, Amboss und Esse. Begebt euch mit mir in dieser mehrteiligen Serie auf einen faszinierenden Exkurs durch die Waffenkunst. Erlebt den Mann, der hinter den Waffen steht, und lasst euch von seiner faszinierenden Arbeit und seinen einzigartigen Schmiedewaffen, die ihresgleichen suchen, begeistern.

Doch was hat die Waffen- und Schmiedekunst mit der EWTO zu tun? Um das verstehen zu können, schildere ich euch zunächst, wie ich die Ritterschmiede kennenlernte und wer Hubert Kallus überhaupt ist.
Den ersten Kontakt bekam ich zu Hubert, als ich vor vielen Jahren auf der Suche nach einem „escrimatauglichen“ Schwert war; denn es hielt mehr und mehr der Unterricht mit Schwertern Einzug in den normalen Escrima-Unterricht. Ich stand damals kurz vorm Abitur und musste sehr gut überlegen, wofür ich mein Geld investierte. Doch als „Mittelalterbegeisterter“ war klar: Ein Schwert musste her! Die Suche erwies sich zunächst jedoch als nicht ganz einfach, denn wer selbst Escrimador ist, wird verstehen warum. Allen anderen kann ich nur raten, es einfach einmal auszuprobieren, mit Waffen zu trainieren. Um es vorweg zu nehmen: Fakt ist, dass die eingesetzten Waffen enorme Schlagkräfte aushalten müssen.

Ein Freund und Ausbilder in meiner Schule hatte sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit – ohne viel nachzudenken, dafür aber für viel Geld – ein blank poliertes Schwert inkl. Scheide und Holzschild gekauft. Nach einem kurzem Austesten wurde allerdings klar, dass diese Gegenstände zwar optisch vielversprechend aussahen, leider aber nicht für das Newman-Escrima geeignet waren. Sie hielten schlichtweg nichts aus und brachen sogar.

Mein SiFu Thomas Dietrich empfahl mir daraufhin, Kontakt zur „Ritterschmiede“ und damit zu Hubert Kallus aufzunehmen. Die Schwerter dort wären nicht nur handgeschmiedet, sondern überstünden auch die Schläge von Meister Bernd Hoyer persönlich. Und täten sie dies nicht, könne man sie sogar reklamieren. In meiner Bestellung solle ich lediglich nach einem Schwert in „Kampfidiotenvariante“ fragen.
Gesagt, getan. Tatsächlich erhielt ich kurze Zeit darauf ein handgeschmiedetes, escrimataugliches, optisch ansprechendes Schwert und das zu einem vernünftigen Preis. Rundum es war alles so, wie ich es mir gewünscht hatte.

Das Schwert hat mich seitdem viele Trainingsstunden und auch auf einige Mittelaltermärkte begleitet und ist heute gute zehn Jahre alt. Es hält und hält und hält. Die gelegentlichen Scharten sind via Waffenpflege leicht auszubessern. Ich habe in dieser Zeit viele andere Schwerter brechen sehen und mich dann immer gefragt: „Wie macht Hubert es, dass seine Schwerter halten?“ Dazu später mehr.
Mittlerweile gibt es übrigens auf der Ritterschmiede-Homepage eine eigene Kategorie nur für Escrima-Waffen. Seitdem braucht man „Kampfidiotenausführung“ nicht mehr anzugeben, da diese Waffen automatisch in der entsprechenden Qualität gefertigt werden.
Und außerdem veränderten sich die Schwerter: Die Griffstücke wurden für den Komfort etwas länger, die Klingen gefühlt etwas schmaler und filigraner – und das alles bei bekannter Haltbarkeit.

In meiner Schule unterrichte ich auch Newman-Escrima. Meine Schüler wollen natürlich irgendwann dann gern Schwerter haben. Dabei empfehle ich ihnen nur, wovon ich überzeugt bin.
Und so bestellte sich einer meiner Ausbilder ein Meisterstück bei Hubert: ein Zweihänder. Wir haben mit diesem Schwert schon gegen fast jede andere Waffen gegen geschlagen, dennoch sieht es heute nach sieben Jahren Lebenszeit noch fast wie neu aus.

Bei allem, was ich von Hubert so zu sehen bekam, kam auch in mir, wieder inspiriert durch unsere Escrima-Meister, der Wunsch nach einer neuen Waffe auf. Eine Gleve sollte es sein.

Nachdem ich meinen Wunsch ausgesprochen hatte, verging einige Zeit. Auf Nachfrage meinerseits schilderte mir Hubert, dass er meinen Wunsch gern erfülle, aber dass er dies mit ruhigem Gewissen nur könne, wenn er wisse, dass er mir gute Arbeit abliefere, wofür er ins Labor müsse. Die unter anderem von mir gewünschte Gleve entsprach nichts, was Hubert bislang gefertigt hatte und er wollte bis ins kleinste Detail vordringen, um eine sichere Waffe zu fertigen.

Ich hatte ihm zuvor meine Wunschwaffe beschrieben und wofür sie gut sein sollte. Es gab viele Fragezeichen in meinem Kopf: …, denn was macht eine Waffe im Labor? Gehört sie nicht auf einen Amboss?
Nach unzähligen interessanten Telefonaten erhielten meine Schüler und ich mittlerweile die Resultate von Huberts Arbeit und wir sind wie immer begeistert. Wieder einmal halte ich eine Waffe in der Hand, von der ich vollständig überzeugt bin, dass sie mich lange Zeit begleiten wird.

Damit aber nicht genug, mit der Zeit kommen immer wieder neue oder verbesserte Modelle dazu, seit einiger Zeit gibt es besondere Escrima-Kurzschwerter, die durch die verschiedenen Varianten auch für Anfänger und weibliche Escrima-Schülerinnen wie gemacht sind. Hier hatte Hubert sich wieder viele Gedanken gemacht, da er gern alle zufrieden stellen möchte.

Durch die ganzen Prozesse und Fertigungsschritte und teilweise langen und intensiven Telefonate haben meine Freundin und ich den Waffenmeister Hubert auch als Mensch kennenlernen dürfen, wodurch unsere Begeisterung und unser Respekt vor seiner Person noch weiter wuchsen. Hubert ist ein sehr ehrlicher, genauer und gewissenhafter Mensch. Er nimmt sich wirklich für jeden Kunden Zeit, um nach seinen Wünschen zu fragen und die jeweils angeforderte Waffe wunschgemäß anzufertigen – und zwar bis ins kleinste Detail.
Ist die Ware dann fertig und unterwegs, erhält man auch manchmal einen Anruf, indem Hubert freudig  davon berichtet, dass die Waffen auf dem Wege seien. Besonders bewegt hat mich die Aussage, dass er solang die Waffen noch bei ihm stehen, er völlig entspannt sei, aber sobald sie mit der Post verschickt seien, er nervös werde. Er fragt sich dann, ob die Waffen dem Kunden auch wirklich gefallen und wie besprochen sind oder ob bei neuen Modellen auch alles so hält, wie er es sich denkt. Und ich glaube, dass er wirklich erst dann wieder gut schlafen kann, wenn der Kunde zufrieden ist und die Waffen das erste Mal getestet wurden und der neu ausgestattete Ritter vollstens zufrieden ist.

Das alles zeugt für mich davon, dass hier ein Mensch wirklich mit dem Herzen arbeitet, dem es bei seiner Arbeit nicht nur um Geld, sondern um Perfektion und Idealismus geht. Und ich denke vielen die Escrima unterrichten, geht es ähnlich und um Bezug auf meine Frage, was die Waffen- und Schmiedekunst mit der EWTO zu tun haben, zu nehmen: Mit den erwähnten Eigenschaften passt Hubert Kallus von der Ritterschmiede so gut zu uns!

Im nächsten Teil möchte ich euch mit Huberts Unterstützung den Entstehungsprozess unserer Escrima-Waffen vorstellen und euch zeigen, worauf es bei der Entwicklung ankommt.
Wenn ihr neugierig seid und mehr oder etwas Spezielles wissen wollt, schreibt mir gern eine Mail.

Euer Kai
 

Text und Fotos: Kai Kalbreier