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EWTO

Sexualisierte Belästigung und Gewalt an Frauen

Aufgeputscht durch Medien und #MeToo-Debatte oder Realität? Gefühlt, Realität oder gefühlte Realität?
Sexualisierte Belästigung und Gewalt sind Themen so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst. In den letzten Jahren scheint es so zu sein, dass sich die Übergriffe häufen und auch die Intensität, die Gewalttätigkeit der Übergriffe, zugenommen hat. Die Berichterstattung durch Print-, Funk- und soziale Medien ist Tag für Tag voll von neuen und alten Geschehnissen. Was davon ist real, was ist übertrieben oder gewollte politische Irreführung bzw. auf neudeutsch: Fake-News?

Die Faktenlage

Laut einer Studie des IFOP Instituts (Institut français d’opinion publique), die im November 2018 veröffentlicht wurde, ist das Thema „Sexuelle Belästigung“ hochbrisant und es wert, sich damit zu befassen. So wurden in Deutschland 36 % der befragten Frauen bereits auf der Straße durch sexuelle Bemerkungen oder Beleidigungen belästigt. Weitergeht es mit obszönen Gesten (28 %) und Verfolgung (36 %). Von den befragten Frauen wurden 10 % (!) innerhalb der letzten 12 Monate Opfer von sexualisierter Gewalt.

Eine Studie der  FRA (Agentur der Europäischen Union für Grundrechte) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Hier haben 8 % der befragten Frauen angegeben, innerhalb der vergangenen 12 Monate körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben.

Auch in den verschiedenen Statistiken des Statistischen Bundesamtes oder den vom BMFSFJ (Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend) veröffentlichten Daten sind die Ergebnisse nachvollziehbar. Beinahe 100 % der Opfer sexueller Übergriffe sind Frauen. Ein sehr großer Teil der Übergriffe findet innerhalb der eigenen vier Wände statt. Die bekannten Fälle ergeben die statistischen Daten. Doch wird in allen Studien darauf hingewiesen, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist.
 

Notwendigkeit der Prävention

Aus den genannten Daten ist zu erkennen, dass verbale (inklusive gestikulierende) Übergriffe deutlich in der Überzahl vor körperlichen Übergriffen sind. Beachtet man nun die übliche Vorgehensweise von Tätern, dann wird schnell klar, dass körperliche Übergriffe in den allermeisten Fällen durch verbale Angriffe eingeleitet werden.

Richtiges Reagieren auf das Verhalten von Tätern bedarf der Übung

Häufig werden verbale Angriffe gar nicht als solche erkannt. „Hey, Süße …“ Diese laxe Bemerkung eines Kollegen oder eines Mannes in der Schlange beim Bäcker kann bereits die erste Vorstufe der Eskalation sein. Oft reagieren Frauen auf so eine Ansprache nicht, um nicht als prüde, Zicke oder Ähnliches verschrien zu werden. Häufig geht es ja auch gut, und solche Anreden werden zur Normalität und von den Frauen einfach ertragen. Durch dieses „Ertragen“ werden sie immer weiter zu Opfern sozialisiert und die Männer entwickeln sich weiter zum Täter. Eine schreckliche Negativspirale! Beachtet man die hohe Zahl der Übergriffe, ist leicht zu erkennen, dass es in vielen Fällen mit Ertragen nicht getan ist. Aus: „Hey, Süße…“, wird ganz schnell: „Hey, Süße, geiler Arsch…“, und darauf folgend dann der Klapps auf den Po. Dies ist ein typisches Herantasten des Täters, der testen will, wie und auf was die Frau reagiert. Viele reagieren nicht, weil sie nicht auffallen wollen und hoffen, dass es gut geht. Sehr häufig kennen die betroffenen Frauen auch keine Handlungsalternativen. Sie haben nicht gelernt, wie in solchen Fällen reagiert werden kann. Doch genau das Einüben solcher Handlungsalternativen ist wichtig, um sie in solchen Situationen abrufbereit zu haben.

Sifu Sabine Mackrodt (5. Meistergrad EWTO WingTsun und Fachtrainerin für Frauenselbstbehauptung und Selbstverteidigung der EWTO) gibt Tipps, was Frauen grundsätzlich beachten können:
 

Verabschieden Sie sich von der Opferhaltung

Entscheiden Sie sich, ab sofort nicht mehr Opfer zu sein. Bereiten Sie sich vor! Informieren Sie sich darüber, was alltägliche Gewalt ist, wo sie am häufigsten geschieht und wer die Täter sind.
 

Vertrauen Sie Ihrer Intuition

Täter testen potenzielle Opfer! Das heißt, sie probieren aus, wie eine Frau auf eine Grenzüberschreitung, einen anzüglichen Witz, auf eine Bemerkung über ihren Körper oder dergleichen reagiert. Vielleicht ist es „nur“ ein doofer Spruch, Dominanzgebaren und Machtspiel. Vielleicht aber auch der erste Schritt eines Täters. Jede sexualisierte Belästigung, jede Grenzüberschreitung kann ein Test sein und somit Auftakt zu eskalierender Gewalt. Fühlen Sie sich unwohl in einer Situation mit einem Menschen, dann relativieren Sie Ihre Wahrnehmung keinesfalls mit Sätzen wie: „Der meint das nicht so.“, „Das bilde ich mir nur ein.“, „Ist ja eigentlich nichts passiert.“ oder dergleichen. Bleiben Sie wach und aufmerksam damit. Prävention bedeutet, der Intuition zu vertrauen, eine Gefahr dadurch frühzeitig zu erkennen und sofort zu handeln.
 

Machen Sie sich einen Plan

  Mit deutlichen Worten und Gesten Grenzen aufzeigen

Was wollen Sie tun? Und dann handeln Sie konsequent! Wollen Sie etwas nicht, dann heißt „Nein“ auch „Nein“ und steht nicht zur Diskussion. Setzen Sie klar, laut und unmissverständlich Ihre Grenzen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie Ihre Grenzen setzen können. Hier zwei Beispiele:

  1. Auf der Straße kommt ein Mann auf Sie zu. Er fragt Sie nach dem Weg oder nach der Uhrzeit. Er kommt Ihnen dabei viel zu nah. Sie fühlen sich sofort unbehaglich. Dann sagen Sie laut und deutlich: „Lassen Sie mich sofort in Ruhe!“ Danach gehen Sie weg.
  2. Es gibt einen Kollegen, der Sie anfasst, während er mit Ihnen spricht. Wenn Sie das nicht wollen, sagen Sie ihm klar und deutlich: „Fassen Sie mich nicht an!“ Erwarten Sie, dass er es danach auch lässt!
     

Suchen Sie sich Unterstützung

Suchen Sie sich eine/n Trainer/in, die/der Ihnen bei Ihrer Vorbereitung zur Seite steht – ob für die Selbstbehauptung oder die körperliche Selbstverteidigung. Bereiten Sie sich vor. Üben Sie Ihre Verteidigung. Es stärkt Ihr Selbstvertrauen, zu wissen, dass Sie sich wehren können. Täter suchen Opfer! Deshalb kann selbstbewusstes Auftreten schon im Vorfeld schützen.
 

Zusammenfassung

Bezugnehmend auf die einleitende Frage: „Gefühlt, Realität oder gefühlte Realität?“, lässt sich antworten, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass aus einem Gefühl Realität wird. Innerhalb der letzten 12 Monate hat jede dritte Frau einen verbalen und jede zehnte Frau einen körperlichen Übergriff erlebt. Vergrößert man den Zeitraum der Betrachtung, ergibt sich, dass es beinahe Glücksache ist, im Laufe seines Lebens kein Opfer körperlicher Übergriffe zu werden. Dass nicht jeder körperliche Übergriff in einer körperlichen Verletzung endet, ist dabei zwar positiv, doch macht es die Situation nicht besser; denn die Seele wird verletzt. Betrachtet man nun noch die Häufigkeit der häuslichen Gewalt und zieht die Dunkelziffer hinzu, wird deutlich, dass das Erlernen einfacher Gegenmittel ein unabdingbares Muss ist.

Wenn 36 % der verbalen Übergriffe 10 % körperlicher gegenüberstehen, heißt das doch, dass es – stark vereinfacht gerechnet  – 46 % verbale Übergriffe gegeben hat, die zu den 10 % der körperlichen Übergriffe geführt haben. Dementsprechend ist es in der sog. verbalen Phase möglich und nötig, einen Übergriff zu verhindern. Und genau hier kommt es darauf an: Je früher, desto besser!

Das Umsetzen der Tipps von Sifu Sabine Mackrodt wird Ihnen helfen, in Zukunft ein sichereres Gefühl entwickeln zu können. Für weitere Fragen und Tipps zum Üben stehen Ihnen über 1.000 Schulen der EWTO zur Verfügung.

Text: Stephan Däbler
Fotos: mg