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WingTsun

Halbzeit: Was steckt im vierten Satz?

Dieses Mal nehmen wir den vierten Satz genauer unter die Lupe. Die Arme bewegen sich hier meist gleichzeitig. Aber worauf genau gilt es zu achten? Nachfolgend erfahrt ihr einige Ideen, wie die Bewegungen im Kampf umgesetzt werden könnten.
Allerdings können sie nicht eins zu eins umgesetzt werden und setzen zu ihrem sinnvollen und passenden Einsatz das ChiSao-Training voraus, bei dem gelernt wird, „richtig“ mit Impulsen, die am Kontaktpunkt entstehen, umzugehen. Deshalb sollten die Formen „neutral“ geübt werden, um sich alle Optionen, die Bewegungen bieten können, offen zu halten.

Gehen wir zunächst ein bisschen genauer auf den gesundheitlichen Nutzen der Formbewegungen ein. Gemäß den beiden Mottos der SiuNimTau „Nimm den Kopf hoch und blicke nach vorn!“ und „Entspanne die Brust und halte den Rücken gerade!“ arbeiten wir an unserer Haltung. Dies gilt natürlich für die gesamte Form, nicht nur für den vierten Satz. Somit wird aus dem „buckligen“ Schreibtischtäter wieder ein aufrechter Mensch, der etwas für seine Gesundheit tut.

Gesundheitsaspekt in der SiuNimTau: Dehnung

Sehr selten schöpfen wir unsere Bewegungsmöglichkeiten im Alltag aus. Aber dies kann man mit dem Formentraining ausgleichen. Im vierten Satz strecken wir beide Arme nach links und rechts aus, um sie dann in den doppelten LanSao zusammenzuführen. In der Anwendung könnt ihr dies – mit einem Arm – als Angriff zum gegnerischen Hals oder Gesicht sehen.

Aber man könnte die Bewegung auch ausreizen: Ihr streckt die Arme komplett nach links bzw. nach rechts und versucht, die Finger aus eurem Körper zu ziehen. Dies dient als eine gute Dehnübung für die Sehnen und Muskeln. Aber achtet darauf, nicht mit den Armen nach hinten zu schlagen: Die Bewegung geht zur Seite. Stellt euch vor, hinter euch ist eine Wand und ihr versucht die Arme aus dem Körper zu ziehen, um einen maximalen Dehneffekt zu erreichen.

Die SiuNimTau verbessert ebenfalls die Wahrnehmung.

 

Kurz bevor die beidseitige Schlag- bzw. Stichbewegung ausgeführt wird  – die Stichbewegung ist lediglich eine zusätzliche Möglichkeit zum Üben des Sich-Streckens, während es im Kampf nur um den Schlag zur Seite geht – wird zusätzlich unser peripheres Sehen trainiert. Viele fragen sich, warum man nur aus den Augenwinkeln nach links und rechts sieht und nicht den Kopf dabei drehen soll. Ganz einfach: damit ein möglichst großes Sichtfeld erhalten bleibt. Drehe ich den Kopf zu einer Seite, erweitere ich zwar mein Sichtfeld dahingehend, aber ich kann nicht mehr wahrnehmen, was auf der anderen Seite passiert. Hier wird also die Fähigkeit trainiert, mögliche Gefahren bereits aus den Augenwinkeln wahrzunehmen.

Ein weiteres Motto lautet: „Lasse deinen Ellbogen fallen und deine Schulter los!“

Hier spielt wieder die richtige Anspannung eine Rolle. Beispielsweise beim beidseitig ausgeführten seitlichen GamSao. Wichtig ist, dass die Hand elastisch nach unten gestoßen wird und du dich bei der Bewegung auf die Handwurzel konzentrierst. Diese Bewegung könnte zum Einsatz kommen, wenn ich gehebelt werde. Beim bekannten „Polizeigriff“ wird mein Ellbogen fixiert, um mich zu hebeln. Lasse ich diesen locker und entspanne meine Schulter, fällt meine Hand fast von selbst nach unten und entzieht dem Gegner den Ellbogen als Hebelpunkt. Noch ein Stoß mit der Faust und schon ist das Problem gelöst.

Achtet hier wieder auf den Leitsatz „Form follows function“, denn auch wenn im vierten Satz viele Bewegungen gleichzeitig mit beiden Armen erfolgen, bedeutet dies nicht, dass es in der Anwendung genauso sein muss.
 

Übung

Zum Abschluss noch eine kleine Partnerübung, die hilft, die Ansteuerung beim langen Brücken-GamSao zu verbessern. Zur Erinnerung, worum es geht: Die ausgestreckten Arme werden Richtung Boden gesenkt. Dabei bleiben die Handflächen die ganze Zeit parallel zum Boden.

Zur Übung: Dein Partner greift deine Arme von unten. Du führst besagten Brücken-GamSao aus. Achte dabei darauf, dass du die Bewegung mit Konzentration auf die Handwurzel ausführst. Legst du den Fokus auf Ellbogen oder Schulter, wird es dir nicht mühelos gelingen, dich aus dem Griff zu befreien.
 

Viel Erfolg beim Ausprobieren!
 

Text: Sadek Radde
Fotos: mg