Das Großmeister-Event an Ostern

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Sifu Michael Schwarz

Die Sicht der Dinge ändert sich

Wie sich mein WT durch SiFus „neues ChiSao“ verändert hat.

Die Sichtweise über WT hat sich bei mir schon vor vielen Jahren geändert. Auslöser war eine Privatstunde bei SiFu, in der er mir damals erzählt hatte, dass sein SiFu Leung Ting so viel besser sei als er, aber er nicht verstehen würde, warum das so ist.
Damals dachte ich, SiFu sagte dies nur aus Respekt vor seinem Lehrer – aber ich spürte, dass es ihm irgendwie ernst war. Für mich war das zuerst einmal nicht vorstellbar; war SiFu doch Großmeister mit all dem technischen Wissen und Können wie Leung Ting – aber körperlich viel stärker als dieser.
Es musste also noch etwas anderes geben, was jenseits von Technik und Kraft zu finden ist. Diese Sache ließ mir keine Ruhe mehr und ich fing an, jede Menge unterschiedlicher Literatur – im engeren und weiteren Sinne – über Kampfkunst zu lesen.

Bei späteren Privattrainingsstunden mit meinem SiFu hatte ich dann die ersten „Aha-Erlebnisse“ – irgendwie hatte SiFu sich verändert und irgendwie passte es zu dem, was ich in letzter Zeit las.
Die Bemerkung, dass ChiSao-Sektionen nicht der Weisheit letzter Schluss sind, belasteten mich jedoch nicht; ich hatte in den letzten 25 Jahren viele Privatstunden bei meinem SiFu, aber wir haben nie eine ganze Sektion geübt, sondern immer nur einige Details.
Der nächste Privattermin kam, und ich war stolz: Bewegungen und Ansichten meines SiFus kreuzten sich mit meinen und ich wusste, ich war auf dem richtigen Weg.
Auch beim TG-Lehrgang mit SiFu in meiner Schule bestätigten mir meine Schüler: die Erklärungen deines SiFus sind im Prinzip die gleichen wie deine.

Nächstes Privattraining – großes „Aha“ für mich. Aber um es kurz zu sagen, ich hatte das Gefühl, ich bewege mich in meiner Entwicklung (vor allem körperlich) zu Fuß, während SiFu einen Ferrari fährt. Dieser Prozess hat bis heute nicht aufgehört!
Natürlich erkannte SiFu das und sagte einmal zu mir: „Die Theorie allein zu kennen, reicht nicht aus, du musst auch ein wenig üben.“ Das war natürlich die Untertreibung des Jahres, aber wieder einmal gab mir SiFu einen entscheidenden Hinweis.

Mit dem Stichwort „Theorie“ möchte ich beginnen, ein paar „eigene“ Gedanken niederzuschreiben – aber immer im Bewusstsein, dass ich ohne den Unterricht meines SiFus diesen Weg nie gefunden hätte.

Die Theorie allein reicht nicht. Oft gibt es zu viele Theorien; was man braucht, ist die konkrete körperliche Erfahrung, zu erreichen durch immer währendes, achtsames „richtiges“ Üben. Zu viel theoretisches Wissen kann die Erfahrung bezüglich eigenem Empfinden und Erkennen hemmen, da das Bewusstsein nach „außen“ verlagert wird. Vielmehr brauche ich die Erkenntnis, dass ich Erfahrungen mit anderen Erfahrungen vernetzen muss, um sie in ein „größeres Ganzes“ zu integrieren.
SiFu spricht bei seiner „neuen“ Unterrichtsmethode in erster Linie bescheiden von Reaktionstraining. Aber ich bin der Meinung, was er macht, geht darüber weit hinaus.
Er spricht in einem seiner Editorials von lebendigem und tastendem Erfühlen; das sagt meiner Meinung nach schon mehr aus. Was ich sagen will ist, dass SiFu mit dem Zusammenspiel aus dem Zeigen und Üben kurzer technischer Abläufe (ohne dass es dabei um festgelegte Techniken geht) und Erklären (vor allem durch sein vielschichtiges „Beschreiben“ seiner Editorials) jedem die Möglichkeit gibt, das WT hinter dem WingTsun zu lernen.

Erfolgreiches Lernen muss ich als kreativen Prozess sehen: empfinden, erfinden, experimentieren und entdecken.
Empfinden heißt, etwas wahrnehmen und dieses Wahrnehmen auf mich wirken zu lassen. Ich muss also etwas zulassen, was wiederum nur geht, wenn ich loslassen kann (z.B. alte Angewohnheiten). Wer loslassen kann, wird entspannt, und Entspannung ist das oberste Prinzip aller inneren Kampfkünste.
Bei der „bewussten Wahrnehmung“ im Sinne der Kampfkunst geht es sowohl um die Übertragung motorischer Aktivität ins Bewusstsein, als auch um die Übertragung von Bewusstsein in die motorische Aktivität.
Der Lehrer kann immer wieder nur den Weg zeigen, entscheidende Inputs setzen, was mein SiFu in Perfektion beherrscht und wofür ich ihm hoffentlich noch viele Jahre dankbar sein kann.

Im letzten Privattraining machte mir SiFu klar, dass es keine Tabus gibt. Die „alten Dogmen“ über spezifische Winkel bei Ellbogenpositionen oder Keilpositionen haben nicht immer Gültigkeit. SiFu verändert seine Winkelposition im gleichen Moment wie auf der Gegenseite eine entsteht und zwar immer so, dass er am Schluss die bessere Position hat. Er ist Meister in der Anpassung an die Anpassung an die Anpassung…

„Wahrheit muss immer wieder neu formuliert werden, sonst wird sie dogmatisch. Wahrheit lebt, Dogmen sind tot.“

So habe ich heute eine neue Wahrheit über die vielen ChiSao-Sektionen. Die „Dummen“ (= die anderen Kampfsysteme) reagieren optisch und die „Schlauen“ (= WT) reagieren taktil; so könnte man etwas überspitzt eine langjährige Ansicht im WT auf den Punkt bringen.
Es war natürlich SiFu, der als erster eine gewisse Fehlentwicklung diesbezüglich feststellte und zu BlitzDefence kam. Es geht um einen anderen Teil eines Kampfes, nämlich den, bevor es überhaupt zum Kontakt kommt. Hier muss ich optisch reagieren können, und bin ich hier in der Lage zu antizipieren, dann habe ich schon einen großen Vorteil.
Die nächste Erfahrung, die hieraus resultierte war, dass es gar nicht so einfach ist mit dem Gegendruck in Bezug auf Druck eines Angriffes, um dann richtig taktil reagieren zu können. Kommt der Angriff nach WT-Vorstellungen (z.B. tiefer Ellbogen) ist das eine Sache, bei „freien“ Kurven etwa eine ganz andere. Um hier rechtzeitig richtig taktil reagieren zu können, bedarf es schon einer extremen Anpassungsfähigkeit an den gegnerischen Angriff. Hier darf es keinen Gegendruck mehr gegen den Angriff geben und ich muss in der Lage sein, mich vollkommen auf den gegnerischen Angriff einzulassen, um mit ihm zu verschmelzen und die daraus gewonnene Energie gegen den Gegner zurückzugeben.

SiFu hat ein neues Zeitalter der „ChiSaos“ eingeleitet – für mich ein perfektes – und den „Kampf“ wieder in das richtige Licht seiner Gesamtheit gebracht.

Ich bin mit SiFu einer Meinung, wenn er sagt, dass das Trainieren des taktilen Reagierens letztendlich auch mein optisches Reagieren verbessert. Das Ziel ist es, beides so zu intensivieren, dass es zusammenfließt in ein intuitives Reagieren, frei von allen Regeln und Techniken.

Zum Schluss noch ein Zitat von Eugen Herrigel:

„Alles Erreichte ist nur eine Vorbereitung auf das, was es noch zu erreichen gibt.
Niemand, nicht einmal der Vollkommene, kann von sich sagen, angekommen zu sein.“

In diesem Sinne freue ich mich auf noch viele Trainingsstunden mit meinem SiFu.

Sifu Michael Schwarz
7. PG WT