EWTO

Für jeden eine echte Bereicherung

Jörg Winzer, 2. HG WT, Ausbilder an der EWTO-Schule Mannheim-Käfertal, besuchte das Fortbildungsseminar „WingTsun-Unterricht für ältere Menschen“ an der Trainerakademie Heidelberg unter Leitung von Sifu Samuel Lutz.

Zugegeben, ich war ziemlich neugierig auf Sifu Samuel Lutz aus Wil in der Schweiz.
Von Beruf Heilpraktiker und erfahren im Umgang mit lebensälteren Schülern sowie aus seiner Berufspraxis heraus, hat er mich und die anderen 20 Teilnehmer mit viel Hintergrundwissen und praktisch-didaktischen Tipps versehen.

Was genau war nun das Besondere an diesem Seminar?

Der Begriff "ältere" Menschen wurde absichtlich nicht mit einer fixen Lebensjahrzahl versehen, da die Grenzen fließend sind.
Das konnte ich auch gut verstehen, kenne ich doch Menschen aus meiner eigenen Unterrichtspraxis, die am Ende Ihres Berufslebens stehen und doch noch ziemlich fit sind und andere, deren Körperwahrnehmung und koordinatives Bewegen so unglaublich im negativen Sinne nicht ihrem eigenen Lebensalter entspricht, bis hin zu Kindern, die selbst mit 5-6 Jahren kaum in der Lage sind, eine Rolle vorwärts zu machen.
Besonders gespannt war ich auf den Themenblock "Gleichgewicht und Fallschule". Das hat mit meinen eigenen Fallschulkenntnissen aufgrund von Übungen in anderen Kampfkunstsystem zu tun. Ein Vergleich war also angezeigt.
Zunächst demonstrierte Sifu Samuel Rettungsschritte, die funktionieren, wenn das Gleichgeweicht schon verlorenzugehen droht.
Sifu Samuel zeigte und erklärte nicht nur, sondern legte großen Wert auf das WARUM in der Art, wie er die Übungen anleitet und durchführen lässt.
Wir haben dann zunächst in Paaren, später in der Gruppe geübt.
Dann kam es zu dem Teil, von dem ich dachte, dort schon fit zu sein, dem Fallen an sich. Es stellte sich aber heraus, dass die Fallschule für Senioren sich grundlegend vom Fallen z.B. im Judo unterscheidet.

Sensomotorisches Lernen – das Kleinhirn direkt ansprechen

Ein weiterer enorm wichtiger Teil, der mir persönlich am meisten gegeben hat, war das sensomotorische Lernen.
Aufbauend auf der menschlichen neuronalen Anatomie und den Verarbeitungsprozessen zwischen den einzelnen Bestandteilen des neuronalen Systems, gewann ich neue Erkenntnisse, die wichtig für das Lernen und Lehren sind.
Vereinfacht und verkürzt kann man sagen. Das Lernen von Bewegungsmustern soll möglichst viel das Kleinhirn ansprechen, eben weil in diesem der Großteil unseres Bewegens verarbeitet wird.
Eine Gegenüberstellung mit den von GM Kernspecht beschriebenen Stufen der Kompetenz (siehe Kampflogik Bd.3) machte es sehr klar.
Über die Stufe der unbewussten Inkompetenz braucht man weiter nichts zu sagen.
Die Stufe der bewussten Inkompetenz, also zu wissen, dass man etwas nicht kann, ist das, was ein Neubeginner erlebt.
Etwas nur zu können bei voller Konzentration, ständiger Rückkopplung zwischen Groß- und Kleinhirn, entspricht dem Lernen einer neuen Bewegung.
Dies dauert vergleichsweise lange und entspricht daher dem automatisierten Sich-bewegen-können noch lange nicht.
Erst wenn die Art des Bewegens vollständig im Kleinhirn abläuft, geht alles schnell, mühelos, und das Großhirn, sprich unser Bewusstsein, wird sozusagen nur noch nachträglich informiert:" Hey, gerade habe ich deinen Körper einem Schubser ausweichen lassen."
Diese Zusammenhänge aufgezeigt zu bekommen und die praktischen Schlussfolgerungen daraus, sind ein Juwel dieses Seminars.

Hervorragende Erweiterung vorhandenen Wissens

Aufbauend auf dem Anatomie-Wissen der ÜL-und Trainer-Seminare sowie der ChiKung-ÜL-Ausbildung, (aber ohne diese vorauszusetzen), gab es Wichtiges zu erfahren in Bezug auf das Zusammenspiel von stabilisierender und bewegender Muskulatur, wie man diese gezielt trainieren kann und mit welchen Hilfsmitteln und Geräten man dies beschleunigt tun kann.
Natürlich ergänzt um Informationen zu Gewebearten, Alterungsprozessen, was diese verzögert oder begünstigt.
Auch hier sei eine Verkürzung gestattet: Für fast alle Gewebearten gilt, Bewegungsmangel begünstigt degenerative Erscheinungen. Wir als WT-ChiKung- bzw. Escrima-Treibende tun also schon das Richtige: Uns vielseitig bewegen!
Zusammenfassend möchte ich es so sagen:
Diese Informationen helfen bei JEDEM WT-Unterricht und sind daher eine echte Bereicherung für alle, Ausbilder und Schüler.
Dem kräftigen Abschlussapplaus nach zu urteilen, empfanden dies auch die anderen Seminarteilnehmer so. Einiges könnte sogar schon in den Übungsleiterkursen eingearbeitet werden, so meine private Einschätzung. Eine Seminarteilnahme kann ich sehr empfehlen und bin gespannt, was von Sifu Samuel in der Zukunft noch zu erwarten ist.

Der nächste Fortbildungslehrgang mit Sifu Samuel Lutz an der Trainerakademie Heidelberg findet am 10. und 11. März 2018 statt.
Anmeldungen bitte über das EWTO-Headoffice Heidelberg.

Text: Jörg Winzer
Fotos: EWTO